Rudolf Knappe – vom Sammler zum Klassiker

Am 20. November 2017 erhielt dss Landesamt von dem inzwischen 97jährigen Burgenforscher Rudolf Knappe in Kassel Nachträge und Ergänzungen zu seiner Sammlung über wehrhafte Anlagen in Hessen

Burgen und Befestigungen gehören zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der Vergangenheit. Im Mittelalter entstanden, wurden sie zum Teil über Jahrhunderte weiter genutzt, wechselnden Bedürfnissen entsprechend baulich verändert. Sie sind manchmal nur noch als Ruinen vorhanden oder – nach dem Verschwinden letzter spärliche Reste – allein über Flurnamen oder Geländeformen zu erahnen. Blieben sie erhalten, prägen sie nach wie vor das Landschaftsbild.
Weit über 800 Objekte unterschiedlichster Erhaltungszustände und vielfältigster Art finden sich im heutigen Hessen – eine beachtliche Zahl, die die Bedeutung der Anlagen für die Territorialpolitik und Herrschaftsgliederung von Adel und Kirche belegen.
Von ihrer Wirkung angeregt, beschäftigt sich der 1919 geborene Rudolf Knappe seit mehr als 60 Jahren intensiv mit Burgen, insbesondere in Hessen. In dieser langen Zeit gilt seine Aufmerksamkeit – jenseits aller gänzlich anderen beruflichen Aufgaben als gelernter Maschinenbauer und Diplomingenieur im Kalibergbau – den mittelalterlichen Wehrbauten, zunächst im Umkreis seines Wohnortes Kassel, bald auf das gesamte Bundesland bezogen.
Sein selbst erworbenes, profundes Wissen hat Rudolf Knappe über Monographien und Aufsätze in Sammelwerken und Zeitschriften hinaus in zahlreichen Vorträgen sowie bei Exkursionen und auf Studienfahrten weitervermittelt. Der 1994 im Wartberg-Verlag erstmals erschienene Band „Mittelalterliche Burgen in Hessen“ erlebte 2000 mit großem Erfolg seine dritte Auflage. Dieses Buch – „der Knappe“ – ist schon jetzt ein Klassiker der Burgen-Literatur und ein Nachschlagewerk besonderer Art, über das kaum ein anderes Bundesland verfügt.
In den Jahren intensiver Recherchen trat Rudolf Knappe in Kontakt zum Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg und gab bei seinen Arbeitsbesuchen Anregungen und Hinweise, insbesondere bei der Identifizierung und Lokalisierung wüst gefallener Herrschaftssitze. 2009 hat Rudolf Knappe seine angelegte Sammlung zu Burgen in Hessen dem Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg kostenlos überlassen. Diese großzügige Schenkung umfasst mehrere hundert Fotos und Aufzeichnungen des Bearbeiters zu Art und Lage der Objekte einschließlich Literaturhinweisen und Auszügen aus Schriften. Die Unterlagen bedeuten einen großen Gewinn für die Arbeiten der Landesgeschichte. Die über lange Zeit von Rudolf Knappe exakt zusammengetragenen Informationen und die durch Bilder sorgsam dokumentierten, systematisch erfassten Anlagen sind Ergebnisse seiner Tätigkeit, die der Burgenforschung manche wichtige Erkenntnisse bringen. Das wertvolle Material wird sowohl für das „Hessische Ortslexikon“ als auch für das „Landesgeschichtliche Informationssystem“ herangezogen. In LAGIS entsteht zurzeit ein eigenes Modul zu „Burgen in Hessen“, das durch die Gabe von Rudolf Knappe sehr bereichert wird. Im Rahmen dieses Projekts wird sie der Forschung und allen Interessierten dauerhaft von Nutzen sein.
In Anerkennung der besonderen Verdienste im kulturellen Leben des Landes Hessen verlieh die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Eva Kühne-Hörmann am 12. Aug. 2013 Rudolf Knappe die Goethe-Plakette.

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