Trauer um Ursula Braasch-Schwersmann

Das Hessische Landesamt für geschichtliche Landesamt trauert um seine ehemalige Leiterin, Frau Prof. Dr. Ursula Braasch-Schwersmann, die nach schwerer Krankheit am 17. Dezember 2021 verstorben ist. Wohl kaum jemand anderes hat die Geschicke des Landesamtes in den zurückliegenden Jahrzehnten mehr geprägt als sie. Ihr gesamtes, über vierzigjähriges Berufsleben wirkte Frau Braasch-Schwersmann am Landesamt, das sie von September 1995 bis Juni 2021 auch leitete.

Geboren 1955 in Eutin und aufgewachsen in Holstein, kam Ursula Braasch 1974 zum Studium der Romanischen Philologie, Geschichte und Sozialkunde an die Philipps-Universität Marburg. Der Stadt sollte sie zeit ihres Lebens treu bleiben. Im Landesamt, das damals von ihrem akademischen Lehrer Prof. Dr. Fred Schwind geleitet wurde, erhielt sie bereits 1979 eine erste Anstellung als studentische Hilfskraft. Nach dem Ablegen des Staatsexamens 1980 wirkte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ausstellung anlässlich des 750. Todestages der Heiligen Elisabeth von Thüringen, und in der Folge an zahlreichen weiteren Publikationen und Projekten mit. Mit einer Arbeit über das Deutschordenshaus Marburg wurde sie 1988 promoviert. Diese beiden Themenkomplexe sollte sie fortan nicht mehr aus den Augen verlieren und im Rahmen zahlreicher Tagungen, Vorträge und Beiträge aufgreifen. Zwei weitere wissenschaftliche Schwerpunkte der folgenden Jahrzehnte sind eng mit dem Hessischen Städteatlas und der mittelalterlichen Stadtgeschichte verknüpft. Dass sie hierbei frühzeitig die neuen digitalen Möglichkeiten erkannte und zu nutzen verstand, sollte sich als richtungsweisend für die weitere Entwicklung des Landesamtes erweisen, dessen Leitung Ursula Braasch-Schwersmann in der Nachfolge von Fred Schwind 1995 übernahm. Ab 1993 nahm sie zudem einen Lehrauftrag an der Philipps-Universität wahr, die ihrem Einsatz durch die Verleihung einer Honorarprofessur im Jahr 2000 Rechnung trug. Stärker als in früheren Jahren wurde die Arbeit des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde während der Amtszeit von Ursula Braasch-Schwersmann in der Öffentlichkeit wahrnehmbar. Ihr Wirken und Engagement im Wissenschaftsbetrieb spiegeln sich in zahlreichen Kommissions-, Gremien- und Beiratsmitgliedschaften.
Sehr beliebt und stets gut besucht waren auch ihre Vorträge und Exkursionen, die sie im universitären Umfeld oder in Verbindung mit dem Marburger Geschichtsverein anbot. Es waren vor allem Themen zur Stadtgeschichte, zur Heiligen Elisabeth und zum Deutschen Orden, die sie mit hohem wissenschaftlichem Anspruch, aber dennoch allgemein verständlich und begeisternd vermitteln konnte. Die zahlreichen Ausflüge zu mitunter kaum bekannten, teils öffentlich nicht zugänglichen Orten der hessischen Geschichte sind allen Teilnehmern in bleibender Erinnerung.
Staatsministerin Angela Dorn würdigte die Verdienste von Ursula Braasch-Schwersmann 2020 mit der Verleihung der Goethe-Plakette, der höchsten Auszeichnung, die das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst vergibt.
Zu ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst hatten die Kolleginnen und Kollegen im Landesamt eine Festschrift für Ursula Braasch-Schwersmann herausgegeben, zu der 80 Wegbegleiter*innen, Freund*innen und Schüler*innen Beiträge leisteten. Das unter dem Titel „Mehr als Stadt, Land, Fluss“ im November 2020 erschienene Werk spiegelt nicht nur das breite Themen- und Interessenspektrum der Verstorbenen wider, sondern dokumentiert auch die überragende Wertschätzung, die sie in der Wissenschaft und darüber hinaus genoss. Den Herausgeber*innen war es ein besonderes Anliegen, in der Einführung ihrer damaligen Chefin nachdrücklich zu danken: „Für mannigfaltige Anregung und Förderung, für ein Arbeitsklima, das stets von Diskursivität und Transparenz, von Kollegialität und hoher gegenseitiger Wertschätzung geprägt war […] – und für eine Aufgeschlossenheit, die keiner weiteren Qualifizierung bedarf.“
NUR HOMEPAGE:
Ihr klarer Führungsstil und ihr fachliches Urteil werden uns ebenso fehlen wie ihr Humor, der unter anderem Ausdruck in den unzähligen Anekdoten fand, aus denen sie – immer passend zum Thema – schöpfen konnte. Wir werden ihr Andenken stets in Ehren halten.

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